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Cafe Racer "Bella" (Teil 2)

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Demontage (04.06.18)

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Ich habe Bella nach dem Kauf noch ein bisschen übers Wochenende zusammen mit meiner Freundin gefahren, da feststand, dass ich sie zum Einsitzer umbauen werde. Anschließend kam sie aber am 04.06.18 schon in die Werkstatt.

Noch kurz die Vespa auf die Seite gestellt und ein bisschen aufgeräumt, dann konnte es los gehen.

Bei der Zerlegung des gesamten Motorrades wurde von Anfang an richtig Vollgas gegeben. Alle Teile und Baugruppen waren schnell demontiert und wurden in ihre Einzelteile zerlegt und anschließend gründlich gereinigt.

37 Jahre auf dem Buckel hinterlassen viele Spuren.

Aufarbeitung

Die Aufarbeitung der Altteile stellte sich als sehr langwierige und schmutzige Aufgabe heraus.

Das Ziel - aus alt mach neu!

Es wurden einige Altteile wiederverwendet und dementsprechend gesäubert, überholt und wieder hübsch gemacht.

Einige Teile haben mich allerdings fast in den Wahnsinn getrieben. Zum Beispiel die Gabel und die Motordeckel. Diese Bauteile sind ab Werk hochglanzgedreht und anschließend mit einem schützenden Klarlack überzogen. Der Klarlack bekam aber über die Jahre einige Steinschläge und wurde von der Alu Oxidation unterwandert. Also musste der Klarlack in der Sandstrahlanlage entfernt werden, anschließend die durch das Strahlen bedingte, leicht raue Oberfläche per Hand geschliffen und dann wieder auf Hochglanz poliert werden.

Ich habe mich entschieden, ein größeres Hinterrad zu verbauen um mehr von der originalen Chopper Optik weg zu kommen. So soll auch der Abstand vom Hinterreifen zur neuen Einzelsitzbank optisch verkleinert werden.

Die Wahl fiel hier auf eine 18" Felge einer XJ650 um das originale 16" Rad der XV750 zu ersetzen. Nach einem Umbau der Trommelbremse und der Bremsankerplatte auf die der XJ stand der Montage nichts mehr im Weg. Jetzt musste aber noch die neue, ziemlich beschädigte Felge repariert werden. Das heißt, die Bordstein-Spuren müssen ausgeschliffen und der „Gammel“ an der Innenseite der Felge, wo der Reifen später wieder sitzt, durch Sandstrahlen sauber und glatt gemacht werden. Anschließend wurde sie komplett schwarz pulverbeschichtet.

Motorüberholung

Parallel mit der Aufarbeitung der alten Teile habe ich auch mit der Überholung des Motors begonnen.

Nach der Zerlegung zog ich die Bilanz - soo schlecht siehts gar nicht aus im Inneren.

Allerdings kamen auch ein paar unschöne Dinge zum Vorschein. Der hohe Ölverbrauch kam wie vermutet von den verschlissenen Ventilschaftdichtungen in den Zylinderköpfen. Außerdem hatte der hintere Zylinderkopf einen Schaden an der Zylinderkopfdichtung. Diese war praktisch kaum noch vorhanden und nur noch bröslig in Einzelteilen an ihrem eigentlichen Platz. Durch die im Brennraum waltenden Kräfte und Explosionen arbeitete sich die Dichtung immer weiter in das Aluminium, aus dem der Zylinderkopf besteht. Leider hatte der hintere Zylinderkopf durch die defekte Dichtung starke Vertiefungen in seiner Dichtfläche und war somit eigentlich unbrauchbar.

 

Die Laufflächen der Zylinder, in denen der Kolben sich auf und ab bewegt, waren größtenteils glatt geschliffen. Eigentlich sollte dort ein leichter, diagonaler, X-förmiger Schliff in der Lauffläche sein um dem Motoröl eine bessere Haftung zur Schmierung zu geben.

Die gute Nachricht war aber, dass sonst nichts Größeres kaputt war und auch sonst alle Motorlager, und auch Nockenwellen, Kurbelwelle, Getriebe usw. in einem sehr guten neuwertigen Zustand waren. Die Maschine hatte ja auch erst echte 15.300km auf dem Tacho, als ich sie gekauft habe.

Auf der Suche nach einem passenden Zylinderkopf bin ich in Amerika fündig geworden. Leider ist es gar nicht so einfach, für diese alte Maschine Originalersatzteile zu finden, da die Ersatzteilversorgung schon vor langer Zeit eingestellt wurde.

 

In Amerika wurde allerdings ein Lager eines Yamaha Händlers aufgelöst, der auch den besagten neuen, nie verbauten Zylinderkopf seit den 80er Jahren im Lagerbestand hatte , inkl. Originalkarton;). Ich habe mich um den Versand und den Zoll gekümmert und wartete anschließend erstmal auf die Lieferung. Als der Kopf eingetroffen ist, war klar, dass ich ihn nicht ohne weiteres einfach so verbauen kann. Er hatte durch die lange Lagerung kleine Macken an der Dichtfläche, die aber durch das Planen der Dichtflächen beseitigt werden konnten. Außerdem mussten alle "Innereien" wie Ventile, Kipphebel, Nockenwellen, Ventischaftdichtungen, Steuerkettenrad usw. vom alten ausgebaut und in den neuen eigebaut werden. Nach dem Einschleifen der Ventile, waren nun beide Zylinderköpfe wieder wie neu und bereit für den Einbau.

Die Zylinderlaufflächen wurden gehont und die Zylinder außen schwarz lackiert und anschließend die Kanten geschliffen. Als der Motor nun wieder neu aufgebaut war, mussten noch die Steuerzeiten und das Ventilspiel eingestellt werden. Danach war er wieder bereit für den Einbau in den Rahmen.

Wiederaufbau

Die Arbeiten am Rahmen gingen jeden Tag nach Feierabend voran.

Es wurden zuerst alle Lager erneuert. Anschließend wurde vermessen, gegrübelt, bestellt und verbaut.

Leider gibt es auf dem Zubehörmarkt kaum etwas für dieses Modell, das nichts mit Chopper zu tun hat.

Von nun an war Eigenbau und Sonderanfertigung an der Tagesordnung.

Der Rahmen, die Schwinge und die Gabel wurden nach dem Pulverbeschichten wieder montiert. Die neuen Reifen wurden auf die fertigen und frisch gelagerten Felgen aufgezogen und auch montiert.

 

Rolling Chassis

GENIAL - was für ein Gefühl..., Bella nimmt Form an!

 

Die Gabel wurde gereinigt, überholt und mit neuen progressiven Federn straffer abgestimmt. Außerdem ließ ich einen Gabelstabilisator aus einem Aluminum-Block sonderanfertigen für eine bessere Stabilität der zwei Gabelrohre.

Der Unterschied der beiden Hinterräder ist doch ziemlich gewaltig...

Links ist das neue 18" Rad und rechts die originale 16" Felge.

Optisch ein wirklich gravierender Unterschied und es trägt extrem zur neuen Gesamtoptik bei.

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Ein echter Leckerbissen ist auch die neue, schwimmend gelagerte Bremsscheibe für das Vorderrad.

Der Bremssattel wurde komplett neu aufgebaut und schwarz pulverbeschichtet. Danach wurden noch ein paar Details am Rücken des Sattels hochglanzpoliert und ein modernes Entlüftungsventil, wie auch eine sonderangefertigte Stahlflexbremsleitung verbaut.

Was hältst du von dem Projekt?

Hast du Anregungen oder Fragen?

Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Kommentare: 2
  • #2

    Patrick (Photostrie) (Dienstag, 30 April 2019 16:15)

    Hi Andreas,

    vielen Dank! Cool, dass du auch ein XV Projekt hast:)
    Die Hinterradfelge ist von einer XJ650. Du benötigst zusätzlich die Kardanabdeckung, die Bremstrommel inkl. Bremsbeläge und die Bremstrommelankerplatte der XJ. Die längere Übersetzung durch die größere Felge fährt sich total klasse!
    Ein paar Daten zu dem Akku stehen im dritten Teil des Projekts. Ich habe im Moment noch einen neuen Akku übrig. Falls du Interesse an dem Akku hast und mehr Infos willst, kannst du mir einfach eine Mail senden!
    Ein Foto vom Cockpit findest du im 4. Teil. Ja, das hast du richtig gesehen. Der Kabelbaum liegt zwischen Rahmen und Tank. Dort ist durch die Tankhöherlegung genügend Platz.
    Die Maschine wurde so komplett abgenommen und fährt sich auch super.
    Zu den Kosten - über Geld redet man doch nicht öffentlich;)

    Viele Grüße!

  • #1

    Andreas B (Dienstag, 30 April 2019 15:55)

    Hi, super Bilder, super Bike.
    Hab ebenfalls begonnen meine XV750 umzubauen. Daher würden mich noch viel viel mehr Details und Bilder interressieren :)
    Woher die 18" Hinterradfelge? Passt das ohne weiteres?
    Welche Starterbatterie hast du genau genommen?
    Genauere Fotos vom Cockpit? Kabelführung direkt vorne unter den Tank?
    War es tatsächlich genau so TÜV fähig? Ohne Fender, Luftfilter offen? Was hat der gesamte Eintrag gekostet? Hätte noch mehr Fragen, aber das fürs erste ;)